Aus Filmen wird Wald: Unser kleiner Holly-Wood ausgezeichnet mit dem Maas Natur Umweltpreis 2026
Ein Festakt wie Film-Fans ihn lieben: mit starken Protagonisten, unterhaltsamer Dramaturgie – und natürlich mit Happy End.
Es ist Mittwoch, der 20. Mai 2026, kurz vor zehn Uhr morgens. Draußen vor dem Königswall 97 in Minden hängt der späte Frühlingshimmel ruhig über der Stadt. Drinnen, im Foyer des Kleinen Theaters am Weingarten, ist das Licht warm und gedämpft, es riecht nach frischem Kaffee und nach diesem ganz speziellen Geruch, den Veranstaltungsorte annehmen, wenn man sie für etwas Besonderes aus dem Schlaf holt. Und besonders ist dieser Vormittag ganz unzweifelhaft.
Auf der Leinwand drinnen im Saal läuft in einer ruhigen, einladenden Endlosschleife der Red Curtain: ein langsam wogender, schwerer roter Vorhang, durchsetzt mit Hinweisen auf das Programm, ein kleiner Kino-Pre-Show-Loop, der das macht, was er soll. Er stimmt ein.
Er erinnert daran, wo man hier ist: nicht in einem Saal, sondern in einem Kino. Genauer: in diesem Kino. Im Kleinen Kino am Weingarten, das gerade mal 99 Plätze hat, gerade mal drei, vier Mal im Monat aufschließt – und das heute, an diesem Mittwochvormittag um Punkt zehn, etwas bekommen wird, mit dem zwei Jahre zuvor, beim Start des Kinos, noch niemand gerechnet hat: einen Umweltpreis.
Vorhang auf: Der Festakt beginnt – Showtime!
Zehn Uhr. Auf der Leinwand erscheint ein kurzer Film: Meet The Makers. Drei Minuten, in denen die Initiatoren ihr Kino-Projekt vorstellen.
Moderatorin Christiane Bode, die sich im Saal schon ein paar erwartungsvolle Blicke abgeholt hat, wird angekündigt durch einen Filmzuspieler. Ein typisch cinephiles Augenzwinkern dieses Hauses, in dem Filme Gespräche eröffnen – nicht beenden.
Dann steht die Bielefelderin auf der Bühne. „Schön, wieder hier zu sein“, sagt sie, und es klingt, wie es gemeint ist: vertraut. Es ist nicht ihr erstes Mal hier oben. Im vergangenen Jahr, 2025, hat sie schon einmal eine Auftaktveranstaltung im Kleinen Kino moderiert: die Filmreihe Auf.Frauen.Bauen.
Moderatorin Christiane Bode. Mit Charme und Wortwitz führt die Bielefelderin professionell durch den Festakt und findet stets die richtigen Worte.
Foto: © Christian Vogt
Und nun, ein knappes Jahr später, wieder ein besonderer Anlass. „Wir haben ein tolles Programm vorbereitet“, sagt sie. Und dass es viele Menschen geben werde, die heute hier oben stehen. „Aber weil wir hier in einem Kino sind und Kino als Event-Ort feiern, beginnen wir natürlich auch mit einem Film.“
Licht aus. „Glenn, The Great Nature Lover“, ein norwegisch-schwedischer Animationsfilm von 2023, knappe viereinhalb Minuten. Eine Hauptfigur, die die Natur wirklich, wirklich liebt – auf eine Art, die das Publikum im Saal abwechselnd schmunzeln und nachdenklich werden lässt.
Schon beim Kurzfilmschauen hat dieser Festakt etwas, was andere Festakte fast nie haben: eine Tonlage. Kein Pathos. Kein dröhnendes Ehrenwort-Vokabular. Stattdessen: Witz, Wärme und Liebe zum Detail.
Die Frau der Stunde: Kino-Macherin Astrid Engel
Als das Licht wieder angeht, begrüßt Christiane Bode die Vorsitzende des Kino-Vereins, Astrid Engel als das, was sie an diesem Vormittag tatsächlich ist: die Frau der Stunde. Kino-Initiatorin, Gründerin, treibende Kraft. Wohnhaft in der Bastaustraße – ausgerechnet. An der Bastau, also genau an dem Fluss, an dessen renaturierten Ufern bald das Projekt Wirklichkeit werden soll, das heute hier geehrt wird.
Christiane Bode fragt sich durch die kurze, beeindruckende Geschichte dieses Kinos. Was ist das hier eigentlich für ein Kino? Warum genau an diesem Ort? Warum im Ehrenamt? Und was steht unterm Strich, wenn man nach zwei Jahren Bilanz zieht?
„Kino ist Demokratie-Infrastruktur. Hier werden schwierige gesellschaftliche Themen verhandelt. Reflexionsangebote im fiktionalen Format – so dass es jeder nachvollziehen kann.“ Zentrales Statement von Kino-Macherin Astrid Engel, die im Gespräch auf einige bewegende Ereignisse in der kurzen Kino-Geschichte zurückblickt.
Foto: © Christian Vogt
Astrid Engel erzählt. Davon, wie nach dem Wegbrechen der kommerziellen Mindener Kinos ein paar Mindenerinnen und Mindener einfach beschlossen haben, dass das nicht das Ende sein darf. Wie aus einer Idee ein Verein wurde, aus einem kleinen, viel zu oft leer stehenden Theater ein Spielort, aus dem Spielort eine kleine Institution. 99 Plätze, drei bis vier Termine im Monat, acht Euro Eintritt – bewusst niedrig gehalten, damit niemand draußenbleiben muss. Alles ehrenamtlich, alles aus bürgerschaftlichem Engagement, alles um zu zeigen: Bürger können wirksam sein und selbst Dinge bewegen in einer Stadt.
Und dann diese Filme. Christiane Bode geht die Liste durch, und Astrid Engel kommentiert, mal heiter, mal mit dem kleinen Schmerz, den Filmemacherinnen kennen, wenn ein wunderbarer Film an einem leeren Saal scheitert.
Paolo Conte alla Scala – gespielt zu Weihnachten 2024, ein Konzertabend wie aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Köln 75 – am Ostermontag 2025 gezeigt und schon sechs Wochen vorher restlos ausverkauft. Die leisen und die großen Töne – zweimal nacheinander voll besetzt, beide Male mit dem Posaunenchor der St. Petri Gemeinde im Saal – eine dieser Begegnungen zwischen Leinwand und Live, für die dieses Kino so steht. How to Make a Killing – die erste Sneak Preview, dazu ein regulärer Termin, beide Male ausverkauft. Und dann, ganz bewusst erzählt: Small Town Girl. Ein sehr besonderer, sehr außergewöhnlicher Film. Ein Ereignis, das einen vollen Saal verdient hätte. Aber: Null Zuschauer. Es ist diese eine Erinnerung, die zeigt, wie schmal der Grat ist, auf dem ein Kino wie dieses balanciert.
„Wie schaffst du das alles?“, fragt Christiane Bode die Kino-Macherin. Denn Architektin Astrid Engel ist im Ehrenamt nicht nur mit dem Kino, sondern auch in der Immobilien- und Standort-Gemeinschaft Obermarktquartier aktiv, wo sie sich für die Belebung der Innenstadt einsetzt. Astrid Engel lacht. Eine wirklich befriedigende Antwort gibt es nicht. Es gibt nur das Tun, das Bewegen, das Machen.
Applaus. Und Christiane Bode leitet über: „Jetzt werfen wir einen Blick auf das Projekt, um das es heute geht.“
Aus Filmen wird Wald – und ein Hingucker
Edgar Wilkening hastet vom Regieraum, seinem natürlichen Habitat im Kino, rüber zur Bühne. Im Vorfeld hat Christiane Bode eine kleine biografische Pointe aufgeschnappt, die sie nun teilt: Wilkening, der das Projekt konzipiert hat, ist ausgebildeter Gärtner. Nach Abitur und Zivildienst hat er die Lehre gemacht – aus Öko-Gründen. Damals, vor sehr vielen Jahren. Stimmt das wirklich? Es stimmt. Und auf einmal ergibt das alles hier oben auf der Bühne noch ein paar Grad mehr Sinn.
„Die Menschen im Verein übernehmen Verantwortung. Dafür, dass die Stadt nicht noch weiter abgehängt wird von der bundesweiten Film-Landschaft.“ Statement von Konzeptentwickler Edgar Wilkening.
Foto: © Christian Vogt
„Schluss mit Blabla-Modus! Erzählt nicht abstrakt von ‚Klimaschutz‘ – macht es konkret. Wie bei allen guten Geschichten und guten Filmen. Es waren ja auch nicht ‚zwei Jugendliche‘, die plötzlich kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein. Es waren Hänsel und Gretel.“ Viel spezifisches Know-How aus Fortbildungen bei amerikanischen Top-Dramaturgen, das Konzeptentwickler Wilkening aus Hamburg mitbringt.
Foto: © Christian Vogt
Wilkening präsentiert Unser kleiner Holly-Wood – Aus Filmen wird Wald. Auf der Leinwand erscheinen die Visualisierungen, die in den vergangenen Wochen schon das Projekt-PDF und die Einladung geprägt haben: das Ufer eines Flusslaufs, junge Bäume am renaturierten Fliessgewässer, Menschen, die pflanzen, gießen, beschriften. Das Schild im Vordergrund verrät den Titel: „Unser kleiner Holly-Wood“. Im Hintergrund, im Dunst, die Silhouette des Mindener Doms.
Die Idee ist so einfach wie bestechend. Die Bastau, dieser Nebenfluss der Weser, wird im Stadtgebiet Minden gerade aufwändig renaturiert. Die Städtischen Betriebe Minden haben dem Kino-Verein in Aussicht gestellt, dort eine Fläche zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Fläche pflanzt der Verein Bäume – als ganz konkrete Klima-Ausgleichsmaßnahme für die Filme, die im Kino laufen.
Jeder Baum bekommt seine Plakette. Auf jeder Plakette steht ein Datum, ein Filmtitel, eine Vorstellung. Aus dem abstrakten Wort „Klimaschutz“ wird ganz konkret: ein bestimmter Abend, ein bestimmter Film, ein bestimmter Baum.
Mach es konkret! Sei präzise! Nutze ein genaues Bild!
„Donnerstag, 7. Mai 2026, 20:00 Uhr – Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, steht auf der Beispiel-Plakette. Im Saal lächeln einige. Mancher war dabei, als der Film lief. Und nun steht er, oder besser: wächst er, am Ufer eines Flusses, der gerade erst lernt, wieder ein Fluss zu sein.
Und natürlich braucht so ein Wald einen Namen. Einen konkreten. Nur welchen? Film-Forst? Kino-Gehölz? Cinema-Wald? Vorschläge gäbe es viele. Aber welcher ist der beste?
Wilkening präsentiert schmunzelnd das Ergebnis seiner Arbeit: Der Kino-Wald wird Holly-Wood heißen. Wie auch sonst, sagen alle. Die Doppeldeutigkeit, mit einem Augenzwinkern versehen, versteht jeder. Und weil es das Kleine Kino am Weingarten ist, wird es auch nur ein Kleiner Holly-Wood. Alles andere wäre vermessen.
Trotzdem soll die Aufforstung erst der Anfang sein. In einer späteren Ausbaustufe, je nach Förder-Möglichkeiten, könnten entlang der Aufforstungsfläche Info-Tafeln entstehen, die auf spielerische, unterhaltsame Weise erklären, was Mediennutzung eigentlich kostet: Streaming, Fernsehen, Internet, KI. Ressourcenverbrauch, der sonst unsichtbar bleibt. Hier soll er sichtbar werden – nicht moralisch, sondern verspielt, mit Diagrammen und Bildern, die einladen zum Hinschauen statt zum schlechten Gewissen.
Bei weitem nicht die erste Auszeichnung, die Wilkening für ein Konzept erhält. Er blickt auf Dutzende von Awards und Prämierungen für herausragende Arbeiten – vom Beck’s Career Award der Brauerei Beck’s in Bremen für das Szenegastronomie-Projekt Venus & Mars bis zum Mobilitäts-Konzept autonachbarn, das 2023 als eines der zehn besten Innovationsprojekte in NRW geehrt wurde.
Maas Natur kommt aus Gütersloh nach Minden
Christiane Bode übernimmt wieder. „Umweltpreis der Firma Maas Natur in Gütersloh – darüber wollen wir mehr erfahren. Wer ist Maas Natur? Und was hat es mit diesem Umweltpreis auf sich?“
Ein kurzer Werbeclip stimmt ein. Dreißig Sekunden. Bilder von Mode, die in Naturtönen gehalten ist, von Menschen, die überzeugt sind, dass nachhaltiges Leben kein Verzicht sein muss, sondern eine angemessene Art, sich zu kleiden, einzukaufen, zu leben, zu sein.
Reinhard Maas betritt die Bühne, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens höchstpersönlich. An seiner Seite Paulina Riebe, Nachhaltigkeitsmanagerin im Unternehmen, und Carina Schmaltz, Filialbetreuerin bei Maas Natur.
Reinhard Maas erzählt von vierzig Jahren Firmengeschichte – das Unternehmen feierte 2025 Jubiläum. Und der Umweltpreis „natürlich leben“ markiert den Eintritt ins neue Jahrzehnt. Erstmals vergeben, ausgelobt für Vereine, Initiativen und Engagierte aus Ostwestfalen-Lippe, die nachhaltige Projekte umsetzen. 15.000 Euro insgesamt, aufgeteilt auf zehn Preisträger – nicht eine einzelne Spitze, sondern eine Vielfalt. Genau das ist die Idee dahinter: aus vielen kleinen Impulsen eine größere Bewegung zu machen.
Paulina Riebe stellt die weiteren Preisträger vor. Eine bunte Galerie engagierter Menschen aus OWL: Kindergärten, die Spielplätze begrünen. Schulklassen, die Gärten anlegen. Vereine, die Dächer bepflanzen. Stadtteilinitiativen, die Bäume pflanzen. Und mittendrin: ein Kino, das aus Filmen Wald macht.
Reinhard Maas, Gründer und Geschäftsführer von Maas Natur, schildert die sehr originelle Ursprungsgeschichte des Unternehmens im Gütersloh der 80er-Jahre – und wie daraus der heutige Filial- und Onlinehändler für Naturtextilien entstand. Mit Paulina Riebe und Carina Schmaltz (beide Maas Natur).
Foto: © Christian Vogt
Paulina Riebe, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Maas Natur, erläutert Idee und Grundzüge des Maas Natur Umweltpreises „natürlich leben“. Und stellt die insgesamt zehn Preisträger vor, die für ihr Engagement mit der Auszeichnung geehrt werden.
Foto: © Christian Vogt
Der große Moment: Offizielle Preisverleihung an Astrid Engel als Vorsitzende des Vereins Kleines Kino am Weingarten e.V.
Foto: © Christian Vogt
Christiane Bode im Gespräch mit dem Gründer und Geschäftsführer Reinhard Maas: Wird es demnächst eventuell auch in Minden eine Filiale des Gütersloher Naturtextilien-Händlers geben?
Foto: © Christian Vogt
Dann der große Moment. Astrid Engel wird wieder auf die Bühne gebeten. Reinhard Maas übergibt die Auszeichnung, symbolisch dargestellt durch einen überdimensionalen Scheck. Applaus. Lange. Astrid Engel mit der Auszeichnung in der Hand, neben ihr Reinhard Maas, Paulina Riebe, Carina Schmaltz. Vier Menschen, die in diesem Augenblick sehr genau wissen, warum sie hier stehen.
Gespräch mit dem Gründer: Eine Filiale in Minden?
Christiane Bode kommt hinzu und stellt Reinhard Maas drei, vier Fragen. Mehr nicht, aber sehr genau vorbereitet. Auch die eine Frage, die sich natürlich aufdrängt und die eigentlich die amtliche Wirtschaftsförderung hätte stellen müssen. Die aber ist nicht anwesend, als der Naturtextilien-Filialist nach Minden auf die Bühne kommt. Deshalb stellt der ehrenamtliche Kino-Klub die Frage: Bekommt Mindens Innenstadt demnächst eventuell auch eine Filiale von Maas Natur? Oder vielleicht ein Shop-in-Shop bei Hagemeyer?
Reinhard Maas lächelt und gibt eine ehrliche Einschätzung. Alle Anwesenden verstehen die Antwort. In Mindens Wirtschaftsförderung kennt man sie bis heute nicht. Und auch das ist so charakteristisch für diesen Verein: dass er Gespräche selbst dort beginnt, wo die, deren Aufgabe es eigentlich wäre, nicht mal auf die Idee kommen.
Wie es mit dem Umweltpreis weitergehe – nächstes Jahr wieder? Antwort: ja, vorausgesetzt, die Dinge entwickeln sich wie geplant weiter. Dass der erste Durchgang so eine große Resonanz gefunden hat, ist das beste Argument. Viel Applaus.
Die Stadt Minden sagt Ja zur Fläche an der Bastau
Wer mit diplomatischem Protokoll bei Festakten vertraut ist, weiß: Die erste Gratulation gebührt dem höchsten anwesenden Repräsentanten der Stadt. Heute ist das Peter Wansing, Beigeordneter im Vorstand der Stadt Minden und Leiter der Städtischen Betriebe Minden SBM. Herzlich willkommen auf der Bühne.
Wansings Grußwort ist kurz, aber inhaltsvoll. Er spricht über mustergültiges bürgerschaftliches Engagement. Darüber, wie gerade in Zeiten knapper kommunaler Kassen Projekte wie dieses Vorbildcharakter hätten – Engagement, das nicht auf den Staat wartet, sondern selbst anpackt. Und dann der entscheidende Satz, den alle Anwesenden im Saal hören wollen, ohne ihn schon offiziell gehört zu haben: „Die Stadt Minden wird Flächen im Rahmen der Bastau-Renaturierung zur Verfügung stellen für das Projekt Unser kleiner Holly-Wood.“
Peter Wansing, Beigeordneter im Vorstand der Stadt Minden und Leiter der Städtischen Betriebe Minden SBM. Er hatte nicht nur Glückwünsche im Gepäck, sondern auch die Nachricht, dass die Stadt an der renaturierten Bastau Flächen für den kleinen Holly-Wood zur Verfügung stellen wird.
Foto: © Christian Vogt
Ralf Bicknese, Mitarbeiter der Städtischen Betriebe und Projektverantwortlicher für die Renaturierungsmaßnahme an der Bastau. Anhand von Vorher-/Nachher-Bildern erläuterte er Ziele, Maßnahmen und Ablauf der Flussrenaturierung.
Foto: © Christian Vogt
Wansing übergibt an Ralf Bicknese, den Projektverantwortlichen für die Bastau-Renaturierung bei den Städtischen Betrieben Minden. Bicknese, der das Vorhaben aus jeder Faser kennt, stellt das Renaturierungsprojekt vor. Querschnitt durch ein Vorhaben, das die Stadt Minden seit Jahren bewegt: ein begradigter, eingeengter Fluss, der wieder Raum bekommt. Mäander, Blänken, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die hier seit Jahrzehnten nur noch Gäste waren. Bicknese zeigt Karten, Schnitte, Vorher-Nachher-Bilder. Das Publikum schaut konzentriert. Es ist eine Erinnerung daran, dass „Renaturierung“ kein Buzzword ist, sondern Spatenarbeit, Planung, Geduld.
Und es ist die Bühne, vor der nun der Kino-Wald wachsen soll.
Ein Video-Grußwort und zwei kurze Filme zum Schluss
Christiane Bode kommt zurück. Sie kündigt ein Video-Grußwort an und einen Kurzfilm – beides von Susanne Isabel Yacoub, der Berliner Filmemacherin und Landschaftsarchitektin, die im Sommer 2025 bei „Auf.Frauen.Bauen“ hier zu Gast war und damals den zweiten Teil ihres Films „Loop The Landscape“ in Minden uraufführte. Heute schickt sie aus Berlin Gratulationen und Grüße.
Die Berliner Filmemacherin und Landschaftsarchitektin Susanne Isabel Yacoub war per Video-Grusswort zugeschaltet und gratulierte aus der Hauptstadt zum Maas Natur Umweltpreis 2026.
Zum Festakt hat Susanne Isabel Yacoub außerdem eine speziell für diesen Anlass gekürzte Fassung ihres aktuellen Films „Flussrevival“ mitgeschickt. Sieben Minuten Bilder von Menschen, die sich ihren Fluss zurückerobert und renaturiert haben. Nicht die Bastau, sondern in diesem Fall die brandenburgische Havel. Bilder von Landschaften, die wieder atmen. Stimmen, die erklären, ohne zu belehren. Es ist genau der richtige Film an diesem Vormittag. Er greift das auf, worüber Ralf Bicknese eben gesprochen hat, und macht es zu Poesie.
Darauf folgt, als kontrastierende Pointe, ein letzter Kurzfilm: „No Snow for Christmas“, ein US-amerikanischer Animationsfilm von 2016, drei Minuten lang. Tiefschwarzer Humor, fröhliche Untergangsstimmung, Klimawandel als Slapstick. Im Saal wird gelacht. Es ist genau die Sorte Lachen, die man braucht, wenn man am Klima-Abgrund steht.
Und zum Schluss Geschenke fürs Publikum: Tree-to-go
Christiane Bode schließt den Festakt ab. Sie weist hin auf die Aktion im Foyer: „Coffee-to-go kennt jeder. Bei uns gibt’s heute Tree-to-go“. Im Foyer warten kostenlose Baum-Setzlinge zum Mitnehmen auf alle, die einen Platz wissen. Im Garten, in der Natur, oder, mit einem Lächeln, „gerne auch im Garten des Nachbarn“.
Außerdem sind alle eingeladen, eine der Plaketten für den Holly-Wood zu beschriften: für welchen Anlass, welchen Film dieser Baum gepflanzt wird – ganz im Geist des Projekts, das hier gerade prämiert worden ist.
„Tschüss, danke fürs Kommen, das war’s. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder etwas zu feiern gibt im Kleinen Kino am Weingarten – oder einfach nur großes Kino gibt.“
Was bleibt – und was zu sagen bleibt
Im Foyer entsteht das, was nach gelungenen Veranstaltungen entsteht und sich nicht planen lässt: das, was zwischen den Menschen passiert, wenn das offizielle Programm vorbei ist. Häppchen werden gereicht, Getränke ausgeschenkt. Reinhard Maas und Astrid Engel werden in Gespräche verwickelt. Peter Wansing und Ralf Bicknese schütteln Hände. Und Moderatorin Christiane Bode dreht noch schnell im Treppenhaus ein emotionales Video für Instagram.
Draußen ist es immer noch ein ganz normaler Mittwochvormittag im Mai. Aber irgendwo, ein paar hundert Meter entfernt, an einem Fluss, der lernt, wieder ein Fluss zu sein, wird in den nächsten Monaten ein Stück Land warten. Und an diesem Stück Land werden, einer nach dem anderen, junge Bäume in die Erde gesetzt werden. Jeder einzelne mit seiner Plakette. Jeder einzelne mit seinem Datum, seinem Filmtitel, seiner Vorstellung. Ein Wald, der aus Filmen wächst. Ein Kino, das nicht nur zeigt, sondern pflanzt.
Ostwestfalens kleiner Holly-Wood. Es klingt ein bisschen wie ein Witz. Ist aber ernst gemeint. Und ab heute ist es offiziell – mit Urkunde, Preisgeld und einer Fläche an der Bastau.
Das Kleine Kino am Weingarten sagt Danke. An die Initiatoren und Stifter des Maas Natur Umweltpreises 2026. An die Macher und Planer der Städtischen Betriebe Minden. Und an alle, die im Hintergrund still mitgewirkt und Fäden geknüpft haben – bis hin zu einer ganz besonderen Dame, weit, weit entfernt, im Grünflächenamt der Stadt Aachen, ohne die all das hier und heute so nicht möglich gewesen wäre.
Danke.
Aufgezeichnet von Edgar Wilkening
Coffee-to-go kennt jeder. Hier gibt’s Tree-to-go. Die Macher des Events wollten die Idee des Baumpflanzens verlängern und das Publikum zum Mitwirken einladen. Deshalb gab es zum Mitnehmen kostenlos Bäume in Bechern. Ausdrücklich auch zum Auspflanzen in Nachbars Garten geeignet.
Foto: © Christian Vogt
Timeline "Unser kleiner Hollywood"
Hier geht’s zur offiziellen Timeline des Klimaschutz-Projekts Unser kleiner Holly-Wood mit einem Überblick aller wichtigen Stationen und Meilensteine.


Ein sehr begrüssenswertes Kulturprojekt lädt zu flüssigem Lesen ein. Es erhält meine volle Zustimmung. Vielleicht auch Mitmachen.
Kleine Nadelstiche darin (bei Umsicht völlig unnötige) stören mich – bewirken abwartendes Nachdenken darüber.
Mir unbekannter Autorname wird gegoogelt und seine weiteren Artikel mit „Herz“ tauchen auf. Die wirken merkwürdig sprachlich brillant, leider reisserisch und einseitig überhöht, mahnen mich zum Abwarten. Da sind „ideale“ Vereinfachungen statt mühsame Fakten-Realität. Gewollte Zeichnungen statt Fotos als Beleg, erinnert an gordischen Knoten.
Erkenne dann : Charakteristische Marketingsprache. Jene will nun wirklich nicht einsichtsvoll überzeugen – vielmehr überreden – zum Kaufen + Folgen.
Zudem spitzfindiges Sich-Abgrenzen gegen Andere und deren Fehler ist zu gering und dünn.
Von einem schönen Projekt und dessen beachtenswerter Umsetzung werde ich leider nicht mehr angezogen.
Enttäuschte Güsse sendet
P.Dubral
Sehr geehrter Herr Dubral,
vielen Dank für Ihr Feedback. Wir kennen uns nicht persönlich und sind uns, meines Wissens, auch nie begegnet. Ich finde: Dafür haben Sie sich da oben mächtig einen von der Palme geschwurbelt, was meine kleine Rolle als Chronist betrifft. Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht mal die Hälfte Ihres Schriftsatzes verstanden. Na, macht nix …
Darf ich Ihrem Feedback ein anderes Feedback aus der professionellen Medienbranche Berlins gegenüberstellen, das mich in exakt der gleichen Sache erreicht hat und so gar nicht nach Provinz klingt?
„Kompliment. Das hat aber wirklich auch immer Hand und Fuß und viel Herz und höchste Qualität bei Euch. Ist ja alles VIEL Arbeit, damit eine Veranstaltung gut wird. Es ist immer eine Verantwortung, den reibungslosen Flow in einer Präsentation zu garantieren und alle Beteiligten und Würdenträger aus Politik, Stadt usw. zufrieden zu stellen. Ihr habt es wieder mal großartig bewältigt – gut, dass Edgar so viele technische Skills beherrscht! Auch überzeugend, wie die Gala im Newsletter im Rückblick präsentiert wird.“
Ich bedauere, Ihren hohen Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein, lieber Herr Dubral, und entschuldige mich, Sie enttäuscht zu haben. Um weiteren Enttäuschungen vorzubeugen, mein Vorschlag: Meiden Sie einfach meine Texte wie der Teufel das Weihwasser.
Mit freundlichen Grüßen –
Edgar Wilkening