„Soll ich noch was dazu sagen?“

Bernd Giesekings Finnland Film Fest im Kleinen Kino am Weingarten

Fünf Filme. Ein Sonntag. Los ging es um 14 Uhr, der letzte Abspann lief gegen Mitternacht. Dazwischen: Finnland, in Dauerschleife.

Kuratiert hat das alles Bernd Gieseking, jeden Film persönlich ausgewählt – und anders als bei manchem Festival, wo der Kurator nach der Eröffnungsrede in Richtung Buffet entschwindet, blieb Gieseking einfach da. Den ganzen Tag. Zehn Stunden. Im Kinosessel, mitten im Publikum.

Punkt volle Stunde ging es jeweils los. Ein eigens produzierter Trailer lotste den Künstler auf die Bühne, und dort tat er dann, was er seit 1984 tut: erzählen.

Anekdoten von seinen Finnland-Reisen. Passagen aus seinen Finnland-Büchern – „Finne dich selbst!“, „Das kuriose Finnland-Buch“, „Finne dein Glück“, zusammen weit über 60.000 verkaufte Exemplare. Wie immer bei Bernd Gieseking: sehr lustig, sehr amüsant, sehr spaßig. Dass das kein Zufall ist, sondern Handwerk, und warum der Verfasser dieser Zeilen das so genau weiß – dazu ganz unten.

Was niemand auf dem Zettel hatte: die Abmoderation

Die stand nirgends im Programm. Sie passierte einfach. Der Abspann läuft noch, das Publikum sitzt in dieser dunklen Nach-dem-Film-Stille – und plötzlich steht da vorne einer auf und fragt in den Saal: „Soll ich noch was dazu sagen?“ Natürlich soll er. Und dann ordnet er ein, ergänzt, erzählt weiter, was man gerade gesehen hat, und man versteht den Film hinterher noch ein bisschen besser als vorher.

Zu den Filmen selbst hier nur so viel: Es ging vom Kursbuch-Träumer auf dem Weg nach Inari über schwitzende, plötzlich redselige Männer in finnischen Saunen und die junge Tove Jansson bis zur staubtrockensten Weltkonferenz der Geschichte – und zum Schluss, ganz standesgemäß, Kaurismäki. Das komplette Programm steht nach wie vor hier.

Familiär wurde es auch. Für zwei der Filme kam Bernds Mutter Ilse ins Kino – jene Ilse, die in seinen Büchern und Texten regelmäßig auftaucht und beim Mindener Publikum inzwischen eine gewisse Prominenz erreicht hat. Ebenfalls da: Bruder Axel Gieseking, der viele Jahre in Finnland gelebt und gearbeitet hat und dort mit einer Finnin verheiratet war.

Womit wir beim Ursprung der ganzen Sache wären

Genau der Besuch bei Bruder, Schwägerin und Schwiegereltern – die Eltern auf dem Rücksitz, das Auto Richtung Norden – wurde zu Giesekings erstem Finnland-Buch. Ohne Axel also kein „Finne dich selbst!“, ohne „Finne dich selbst!“ vermutlich kein Finnland Film Fest. So hängt das zusammen.

Fünf Filme am Stück sind ein hartes Brot, das sagen wir ganz ehrlich. Eine gute Handvoll Zuschauerinnen und Zuschauer hat es trotzdem durchgezogen, von 14 Uhr bis Mitternacht, lückenlos. Der Kino-Klub hatte für die Pausen Snacks vorbereitet, so dass man das Kino nicht einmal zur Nahrungsaufnahme verlassen musste. Das Technik-Team hatte alles exzellent vorbereitet und betreut, fünf Filme ohne Zwischenfall. Die Atmosphäre: großartig.

Am Ende stand jedenfalls fest: Das machen wir nochmal.

Und weil Gieseking Gieseking ist, lag schon am Tag darauf sein Vorschlag für zwei weitere Finnland Film Feste vor. Inklusive zehn neuer Filme. Fünf pro Fest.

Ob das was wird …?


Chronist: Edgar Wilkening

Bernd Gieseking in der Künstler-Kabine

Seltener Blick hinter die Kulissen: Letzte Vorbereitungen vor dem Auftritt in der Künstlerkabine.
© Foto: Edgar Wilkening

Bernd Gieseking in der Künstler-Kabine

Anmoderation per Leseprobe. Immer wieder streute Gieseking Passagen aus seinen Finnland-Büchern ein.
© Foto: Edgar Wilkening

Nachbesprechung im Foyer

Nachbesprechung nach Mitternacht. Der Künstler mit verdientem Feierabend-Getränk im Kreise der Fans.
© Foto: Edgar Wilkening

Tages-Tickets am Ehrenband

Tages-Tickets am Ehrenband. Organisatorin Astrid Engel hatte den Ablauf des Film-Fests perfekt vorbereitet.
© Foto: Edgar Wilkening


Transparenzhinweis

Das angekündigte „dazu ganz unten“. 1984 gründete Bernd Gieseking in Kassel das Kabarett „Zappenduster“. Musik: Thomas Krug, Texte: der Verfasser dieser Zeilen. Nachzulesen bei Wikipedia, insofern ziemlich amtlich.

Zweiundvierzig Jahre später steht der selbe Mann auf unserer Kinobühne und braucht längst keine fremden Texte mehr. Er hat eigene, manche davon Bestseller. Der Textlieferant von damals saß derweil im Regieraum, steuerte die technsiche Seite des Events und hat sich zehn Stunden lang köstlich amüsiert. Die Befangenheit des Verfassers möge bei der Lektüre angemessen berücksichtigt werden.

Logo Kleines Kino am Weingarten

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