Bettina Stolt und Astrid Engel empfangen für den Kino-Klub die Preisträger-Urkunde.
Foto © Edgar Wilkening

Komplimente zum Abreißen
Der Mindener Kino-Klub holt seine Umweltpreis-Urkunde ab – und erlebt mitreißende Wertschätzung in Gütersloh

Werner-von-Siemens-Straße 2, Gütersloh, Gewerbegebiet. Adressen dieser Art versprechen eher dröge Termine. Man rechnet mit Rolltoren, mit Paletten, mit einem Besprechungsraum, in dem jemand verkündet, er gehe „jetzt einmal kurz durch ein paar Folien“.

Am Freitag, dem 4. September 2026, gab es an dieser Adresse stattdessen: Kaffee, Kuchen, herzliche Atmosphäre und zwei Handvoll engagierte Initiativen aus ganz Ostwestfalen-Lippe. Eine davon: das Kleine Kino am Weingarten e.V. aus Minden. Und ja: Wir waren die mit der längsten Anreise.

Eingeladen hatte die Firma Maas Natur. Und zwar all jene, die im Frühjahr beim Maas Natur Umweltpreis „natürlich leben“ 2026 als Preisträger ausgezeichnet worden waren. (Wir hatten hier ja schon über unsere Umweltpreis-Gala am 20. Mai 2026 berichtet.)

„Aus Filmen wird Wald“ – unser Klimabildungs- und Aufforstungsprojekt hatte im Maas-Natur-Wettbewerb den vierten Platz belegt. Die Idee: Für jeden einzelnen Film, den wir zeigen: einen Baum pflanzen entlang der renaturierten Bastau. Klimaschutz ganz konkret statt abstrakt: mit Plakette, Datum, Filmtitel.

Urkunde des Maas Natur Umweltpreises "natürlich leben" 2026

Besonders gewürdigt für: „Den Mut, neue Wege zu gehen und damit nachhaltige Veränderung anzustoßen.“
Der Verein Kleines Kino am Weingarten e.V. und seine Initiatorin Astrid Engel fühlen sich sehr gut verstanden.

Wer künftig bei uns im Saal sitzt, pflanzt also mit an unserem kleinen Wald – ohne es zu merken. Über die Jahre soll aus den Bäumen „Unser kleiner Holly-Wood“ entstehen. Ein Titel mit dem typischen Augenzwinkern.

Unser kleiner Kino-Klub war in Starbesetzung angereist: Initiatorin Astrid Engel, Bettina Stolt, die das Kinoprogramm mitverantwortet, und Edgar Wilkening, der das prämierte Konzept für den Klub entwickelt hat.

Der heimliche Star des Nachmittags war ein Blatt Papier

Es hing im Gemeinschaftsraum, DIN A4, an der unteren Kante eingeschnitten, mit Abreißzetteln. Diese Form kennt jeder: Wohnung gesucht, Katze vermisst, Gitarrenunterricht ab sofort. Hier stand oben drüber: „Mach jemandem ein Kompliment.“ Und auf den Zetteln zum Mitnehmen tatsächlich lauter kleine Komplimente, die man weitergeben kann.

Mehrere Abreißzettel fehlten schon. Irgendwo im Unternehmen Maas Natur haben Menschen also schon ein Kompliment bekommen. Man kann eine Unternehmenskultur in Leitbildern beschreiben, in Hochglanzbroschüren, in langen Texten über Werte. Oder man hängt einfach so einen Bogen auf und lässt ihn schrumpfen. Wertschätzung in seiner unkompliziertesten Form. Und offenbar so typisch für dieses Unternehmen..

Denn die Gastgeber spiegeln das auch ganz persönlich wider. Firmengründer Reinhard Maas und Gisela Kaufmann-Maas, die das Unternehmen 1985 gemeinsam aufgebaut haben, traten so unprätentiös auf, wie man es selten erlebt bei gestandenen Firmenchefs. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkten auffallend gut gelaunt – und zwar auf jene Art, die sich an einem Freitagnachmittag schwer inszenieren lässt.

Keine langen Reden. Sondern fröhlich rein ins Kennenlernen

Kurze Begrüßung – und dann ging’s ab in Kleingruppen zum Netzwerken. Hier ging es um die vielen ausgezeichneten Initiativen, vor allem aber um die Menschen dahinter und das gegenseitige Kennenlernen.

Und die Bandbreite war beachtlich. Solidarische Landwirtschaften, ein Verein, der einem asphaltierten Marktplatz Bäume und Sitzbänke abringen will, ein gemeinnütziges Carsharing, Insektenschutz, Schulprojekte, ein essbarer Nahrungswald. Neun der zehn ausgezeichneten Initiativen waren persönlich vor Ort. Wildfremde Leute, die einander nach zehn Minuten Tipps gaben.

Bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit Maas Natur so viele unterschiedliche Menschen und Ideen in einen Raum bekommen hat. Manche Klima-Initiative im Kreis Minden-Lübbecke würde sich das für so einen Nachmittag vermutlich auch wünschen: so viele hervorragende Menschen, so unkompliziert, so gut gelaunt an einem Ort. Leichtigkeit lässt sich eben nicht per Formular mit dreifachen Durchschlägen beantragen. Leichtigkeit ist ein Mindset.

Alles selbst gemacht – durchaus im Wortsinn

Zum Netzwerken gab’s eine reiche Auswahl vegetarischer Dips und Aufstriche. Vorbereitet hatte sie Gisela Kaufmann-Maas. Höchstpersönlich, alles selbst gemacht, und zu Broten und Gebäck ausgesprochen gut. Es gibt Unternehmen, in denen wird für so etwas ein Caterer beauftragt und anschließend ein Foto davon gepostet. Hier steht die Mitgründerin in der Küche und kümmert sich selbst. Das erklärt einiges über die Herzlichkeit und den Ton des ganzen Nachmittags.

Zum Schluss des Nachmittags dann die wichtigste Nachricht, überbracht von Nachhaltigkeitsmanagerin Paulina Riebe: Der Umweltpreis „natürlich leben“ wird wegen des Erfolgs und der vielen eingereichten Projekte im Jahr 2027 wiederholt. Das Bewerbungsfenster öffnet sich am 1. November 2026 auf der Website von Maas Natur.

Allen ökologisch ausgerichteten Initiativen in OWL sei gesagt: Es lohnt sich dabeizusein! Allein schon wegen der super Dips. Mitmachen, bitte!

Wir jedenfalls sind stolz wie Bolle mit unserer Urkunde, ein paar neuen Kontakten und einer coolen Idee zurückgefahren. Vielleicht hängen wir demnächst auch im Kino so einen Bogen mit Komplimenten auf.

Menschen, die es verdienen haben für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in unserem Klub ein Kompliment zu bekommen, gibt es jedenfalls genug bei uns im Kino.

Die wilde Bastau

2027 geht der Wettbewerb in die nächste Runde
Unternehmensgründer Reinhard Maas und Nachhaltigkeitsmanagerin Paulina Riebe verkünden: Der Maas Natur Umweltpreis „natürlich leben“ wird 2027 in die nächste Runde gehen. Wie schön!


Chronist: Edgar Wilkening.
Alle Preisträger des Maas Natur Umweltpreises „natürlich leben“ 2026:
www.maas-natur.de/Service/umweltpreis/preistraeger

Logo Kleines Kino am Weingarten

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